Das THE GOOD FOOD-Team. Heute: Alica

Etwa 80 Ehrenamtliche engagieren sich bei The Good Food. Hier könnt ihr uns besser kennenlernen: Im Blog stellen wir euch in loser Folge Mitglieder unseres Teams vor.

Diesmal haben wir mit Alica gesprochen. Sie macht einmal pro Woche Ladendienst und fährt jeden Dienstag mit auf Bauernfahrt. Im Interview erzählt sie, warum sie Teil von The Good Food ist und was sie dabei erlebt.

Wie bist du zu The Good Food gekommen?

Ich bin vor ein paar Monaten neu nach Köln gezogen und habe über Freunde von The Good Food erfahren. Da ich schon seit drei Jahren bei Foodsharing aktiv bin, hat mich das Konzept sofort angesprochen und ich hatte großes Interesse, mitzumachen. Ich orientiere mich gerade beruflich neu und habe deshalb Zeit dafür übrig.

Bei The Good Food kann ich nicht nur mithelfen, Lebensmittel zu retten, sondern ich habe auch schnell gemerkt, wie wundervoll ich mich darüber vernetzen kann. Um in einer Stadt anzukommen, ist so ein Projekt unheimlich wertvoll. Ich lerne Menschen kennen, die ähnliche Interessen haben, und werde Teil der nachhaltigen Szene. The Good Food ist ja auch mit vielen anderen Initiativen in Köln verbunden.

Außerdem kommt man beim Verkaufen in unserem Tante-Emma-Style-Laden sehr gut mit den Kund:innen ins Gespräch.

Welche Erfahrungen machst du dort?

Wir haben Kund:innen aus allen Schichten: Einige kaufen hier ein, weil sie wenig Geld haben, andere, weil sie das Projekt unterstützen wollen. Viele kommen auch einfach zum Reden vorbei. Ich profitiere total davon, weil ich viele interessante Menschen kennenlerne, auch solche, die ein ganz anderes Schicksal haben als ich selbst. Das ist spannend und erweitert meinen Horizont.

Ich finde, unsere Gesellschaft ist heute oft so anonym. Der Laden ist ein Ort, zu dem jeder kommen kann, an dem ein persönlicher, herzlicher und respektvoller Umgang gepflegt wird. Das ist einfach schön.

Und was erlebst du auf den Bauernfahrten?

Ich fahre dienstags regelmäßig mit auf einen Biobauernhof. Dort ernten wir Gemüse nach, das für den regulären Verkauf nicht geeignet ist. Jetzt im Winter und Frühjahr bekommen wir beispielsweise Kartoffeln, die von den Sortiermaschinen aussortiert werden. Die Kartoffeln, die für den Verkauf zu klein sind, aber auch Steine, landen dabei in einem großen Holzkasten. Wir trennen dann die Kartoffeln von den Steinen – ein bisschen wie Aschenputtel.

Gerade im Winter kann es natürlich kalt werden. Einmal haben wir im Sturm zwei Stunden auf dem Feld gestanden. Das ist dann schon manchmal ungemütlich und anstrengend. Aber mir macht es total viel Spaß, ich genieße es, einmal die Woche aus der Stadt rauszukommen, in der Natur zu sein.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich?

Ich bin so aufgewachsen, dass man sehr bewusst mit Lebensmitteln umgeht. Dass man zum Beispiel in den Kühlschrank guckt und schaut, was zuerst gegessen werden muss, damit es nicht schlecht wird. Und dass man Sachen, die man selbst nicht aufbrauchen kann, an Freunde weitergibt.

Nachhaltigkeit bedeutet für mich, mit den Ressourcen gut umzugehen, die Wertigkeit von Lebensmitteln zu erkennen. Auf dem Feld bekommt man ein sehr gutes Gefühl dafür, wie viel Arbeit es ist, sie zu erzeugen.

Da so viele Menschen auf der Welt zu wenig zu essen haben, ist es einfach unglaublich, wie viele wertvolle Lebensmittel weggeschmissen werden. Ich glaube, wenn die Menschen näher an der Erzeugung dran wären, würden sie oft anders entscheiden. Wenn du zum Beispiel selbst Gemüse im Garten anbaust, wirfst du kleine Kartoffeln oder krumme Möhren ja auch nicht weg. Das betrifft auch sonst unser Konsumverhalten: Wir haben die Näherin oder die Massentierhaltung nicht direkt vor Augen, sonst würden wir uns anders entscheiden.

Ich finde es total faszinierend, dass Nicole quasi aus dem Nichts diese Möglichkeit kreiert hat, Menschen zu vernetzen. Ein tolles Beispiel dafür, was man erschaffen kann, wenn man sich hinter ein wichtiges Thema klemmt. Das zieht ganz viele Leute mit. Die meisten haben nicht die Energie, selbst sowas anzustoßen, machen aber liebend gerne mit. So wie ich auch. 😊

Was machst du so, wenn du nicht gegen die Lebensmittelverschwendung kämpfst?

Ich liebe jegliche Form von Tanz – Kampfsport gehört da für mich genauso dazu wie alleine durch die Wohnung zu hüpfen. Ansonsten verbringe ich meine Zeit gerne mit dem Verkochen und Essen von geretteten Lebensmitteln, durchforste die Filmwelt oder spaziere mit Freunden palabernd durch Köln. Nach längerem Pausieren habe ich außerdem endlich wieder Spaß am Lesen sowie Analog-Fotografieren gefunden.

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