Das The Good Food-Team. Heute: Anja

Anja bei der Lagerarbeit

Mehr als 80 Ehrenamtliche engagieren sich bei The Good Food. Hier könnt ihr uns besser kennenlernen: Im Blog stellen wir euch in loser Folge Mitglieder unseres Teams vor.

Diesmal haben wir mit Anja gesprochen. Sie ist seit Oktober 2019 dabei und arbeitet viel hinter den Kulissen von The Good Food, unter anderem als Hauptverantwortliche für das Backwarenteam und Organisatorin verschiedenster Veranstaltungen. Außerdem fährt sie gerne mit auf Bauerntour. Im Interview erzählt sie, welche Aufgaben sie regelmäßig übernimmt und was sie dazu motiviert.

Anja, du hast bei The Good Food gleich richtig viel Verantwortung übernommen

Ja, ich habe mich in dem Konzept sofort wiedergefunden. Ich bin BWLerin und vegane Ernährungsberaterin und arbeite selbstständig als strategische Beraterin für nachhaltige Unternehmen. Mir war gleich klar, dass ich meine verschiedenen Interessen und Talente perfekt bei The Good Food einbringen kann. Als Beraterin konzipiere ich zum Beispiel erfolgreiche Geschäftsmodelle und strategisches Marketing, auf Wunsch übernehme ich auch die Redaktion von Publikationen und die Organisation von Veranstaltungen. Ich kenne also das ganze Spektrum und kann es bei The Good Food anwenden. Und vor allem kann ich hier zur Aufklärung über Themen beitragen, die mir am Herzen liegen, nämlich gesunde, klimafreundliche Ernährung und die ungeheure systematische Lebensmittelverschwendung in unserer Gesellschaft. 

Du hast dich also auch schon vorher viel mit diesen Themen beschäftigt

Die Themen spielen in meinem Beruf eine Rolle, und sie beschäftigen mich auch privat sehr. Ich bin seit drei Jahren bei Foodsharing, und ich versuche, mich vorwiegend von geretteten Lebensmitteln zu ernähren. Mir ist wichtig, mehr Leute dafür zu sensibilisieren, denn viele wissen gar nicht, wie viele Lebensmittel wir verschwenden. Bei The Good Food bieten sich zahlreiche Gelegenheiten, aufzuklären – ob in den Läden, auf unseren Veranstaltungen, in Vorträgen oder Workshops.

Du erwähnst die The Good Food-Veranstaltungen. Was gibt es da so und was machst du dafür?

Seit ich dabei bin, waren die größten Veranstaltungen die Feier zum dreijährigen Jubiläum unseres Ladens in der Venloer Straße 414 und das The Good Food-Café beim Saatgutfestival. Außerdem hatten wir Info- und Verkaufsstände beim Artistenzirkus der Kompanie Neun und beim nachhaltigen Weihnachtsmarkt an der Uni. Bei letzterem fand ich übrigens erfreulich, dass viele Studenten uns schon kannten, auch wenn sie nicht in Ehrenfeld lebten. Und dass sie für die Waren oft sogar mehr gezahlt haben, um uns zusätzlich in unserer Arbeit zu unterstützen.

Meine Aufgaben bei Veranstaltungen sind sehr vielfältig. Es geht damit los, dass ich gemeinsam mit unserer Gründerin Nicole bespreche, welche Veranstaltungen wir durchführen bzw. an welchen wir uns beteiligen wollen. Wir bekommen viele Anfragen, zum Beispiel nach einem Stand auf einem Festival oder einem Workshop. Unsere Auswahlkriterien sind, ob das Event zu uns passt, ob jemand aus dem Team Zeit hat und ob es ein kleines Budget gibt, das wenigstens unsere Ausgaben deckt.

Wenn wir uns für ein Event entschieden haben, geht es in die Orga. Bei einer großen Veranstaltung wie dem Café des Saatgutfestivals ist das ein wahnsinniger Aufwand mit mehreren Monaten Vorbereitung. Zum Beispiel müssen die Räumlichkeiten, in dem Fall die VHS, im Vorfeld begangen werden, um zu schauen, welche Infrastruktur da ist – vom Stromanschluss bis zum Kühlschrank –, wie die Brandschutzauflagen sind und wo die Fluchtwege verlaufen sollen. Außerdem gilt es, Leute aus dem Team zum Mithelfen zu motivieren. Beim Saatgutfestival haben 20 Leute von The Good Food mitgemacht, das war wirklich schön.

Es muss geplant werden, was zu tun ist, was wir alles brauchen, wo wir es gegebenenfalls herbekommen und wie wir es transportieren. Tische, Geschirr, Besteck, Banner, Flyer, Kasse, Wechselgeld … all sowas. Wir versuchen immer, die Transporte so co2-neutral wie möglich zu machen, zum Beispiel mit dem Lastenrad und dem Gogomobil der Agora Köln. Im The Good Food-Café haben wir unter anderem selbstgemachte Waffeln verkauft, die aber bei den ca. 2.000 Festivalteilnehmern längst nicht ausgereicht hätten. Deshalb haben wir von einer Großbäckerei große Mengen Backwaren vom Vortag erhalten. Und nach einem Event muss dann alles wieder saubergemacht und aufgeräumt werden.

Außerdem brauchen wir für viele Veranstaltungen GEMA-freie Musik. Da gab es schon tolle Auftritte von Musikern, die auch Teil des The Good Food-Teams sind, wie Tina Steinhauser und Jenny Thiele.

Ganz schön viel Arbeit!

Das stimmt, aber es macht mir einfach auch riesigen Spaß. Wir haben eine super Gemeinschaft mit viel Teamgeist. Und es gibt tolles Feedback – sowohl von den Besuchern als auch aus dem Team selbst. Alle, die beim Saatgutfestival oder bei der Jubiläumsfeier dabei waren, haben hinterher gesagt, dass sie es total gerne gemacht haben. Das ist dann auch für mich sehr motivierend.

Welche Veranstaltungen stehen als nächstes an?

Am 23. August haben wir einen Infostand und ein kleines Catering auf dem Yoga-Festival am Otto-Maigler-See in Hürth. Viele geplante Events können jedoch wegen Corona leider im Moment nicht stattfinden. Mehrere Veranstaltungen, die wir schon geplant hatten, wurden abgesagt, darunter Workshops zum Thema Lebensmittelverschwendung mit Schülern oder die c/o Ehrenfeld. Geplatzt ist auch ein Klimadinner mit geretteten Lebensmitteln, das wir auf einem Event der Thomas-Morus-Akademie zu Klima und Ernährung ausrichten sollten.

Der Bereich Veranstaltungen ist ja nur eine von deinen vielen TGF-Aktivitäten. Wie sehen denn deine Aufgaben als Hauptverantwortliche für Backwaren aus?

Die machen definitiv den größten Teil meiner Arbeit bei The Good Food aus. Ich bin dafür verantwortlich, dass von den mit uns kooperierenden Bäckereien regelmäßig Backwaren vom Vortag abgeholt und in unsere Läden gebracht werden. Wir haben zurzeit sechs Kooperationspartner, und mit jedem haben wir mehrere Abholtermine pro Woche vereinbart. Es ist wichtig, dass zu diesen Zeitpunkten auch wirklich jemand zum Abholen erscheint. Wir möchten ja ein zuverlässiger Partner sein, außerdem sind die Backwaren vor allem in unserem Ehrenfelder Laden sehr begehrt.

Ich koordiniere die Ehrenamtlichen, die die Abholungen übernehmen. Wir haben 15 bis 20 regelmäßige Abholer und viele Leute, die ab und zu mitmachen. Sie alle sind über WhatsApp und unser Kommunikationstool „Slack“ miteinander vernetzt und tragen in eine Art Dienstplan ein, welche Fahrt sie übernehmen. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass sich für eine Tour niemand findet. Dann spreche ich ein paar Teammitglieder direkt an und fahre notfalls selbst hin.

Regelmäßig arbeite ich neue Teammitglieder ein, erkläre den Neuen die Rahmendaten, die Hygieneregeln und die Abläufe und fahre bei der ersten Tour meistens mit.

Außerdem stehe ich regelmäßig mit den Kooperationspartnern in Kontakt, akquiriere neue Partner:innen und betreue alle Anfragen und Kontakte im Bereich Backwaren. So waren kürzlich Mitglieder der „Brotpiloten“ aus Wien, die Backwaren vom Vortag zu Semmelknödeln u.ä. weiterverarbeiten, zum Austausch bei uns.

Alles in allem gucke ich, dass alles läuft. Zum Beispiel werde ich angesprochen, wenn das Lastenrad einen Platten hat oder das Schloss nicht geht. Irgendwas ist immer.

Ist es leicht, neue Kooperationspartner zu finden?

Nicht immer. Viele Bäckereien kooperieren schon mit Foodsharing oder den Tafeln. Die Tafel hat natürlich Vorrang, wir möchten ja niemandem etwas wegnehmen. In der Venloer 414 haben wir zurzeit auch genau die richtige Menge Backwaren, die zum Zahl-was-es-dir-wert-ist-Preis verkauft werden kann, bevor sie trocken werden. Aber für unseren Standort in Sülz, das Büdchen Casablanca könnten wir noch die eine oder andere Bäckerei gebrauchen, die mit uns zusammenarbeiten möchte. Gerne in der Nähe des Büdchens, dann kann unser Ladendienst einfach vor der Schicht dort vorbeigehen und die Sachen abholen.

Neben diesen zwei Hauptbereichen machst du auch noch regelmäßig Bauernfahrten …

Ja, ich fahre sehr gern mit zum Ernten, weil ich das Gefühl mag, mit den Händen selbst Gemüse aus dem Boden zu holen. Das mache ich ungefähr einmal im Monat. Was ich auch noch sehr gern mache, ist Lagerarbeit. Ich finde es total herrlich, im Lager mit dem Hubwagen rumzufahren und Sachen zu transportieren (lacht).

Bleibt dir noch Zeit für andere Hobbies?

Viel bleibt da wirklich nicht übrig, denn außer bei The Good Food mache ich auch noch bei Foodsharing und Zero Waste Köln mit und habe einen kleinen Gemüseacker zum Selberernten. Aber ich mache schon auch ab und zu Sport und Yoga, und vor allem koche ich sehr gern mit geretteten Lebensmitteln und dem, was ich auf meinem Acker ernte.

Woher nimmst du die Energie, all diese Dinge zu machen?

Es ist einfach meine Lebenseinstellung. Ich möchte etwas für die Verbesserung der Welt tun. Und als Freiberuflerin bin ich in meiner Zeiteinteilung meist relativ frei, deshalb kann ich das alles ganz gut koordinieren.

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