Nicht nur im Sommer: Lebensmittel-Verschwendung ist auch Wasserverschwendung

Landwirtschaft

Bei The Good Food retten wir Lebensmittel und machen zugleich darauf aufmerksam, dass enorme Mengen an Lebensmitteln wortwörtlich für die Tonne produziert werden. Allein in Deutschland sind das viele Millionen Tonnen pro Jahr. Dieser Artikel beleuchtet einen Aspekt davon: den Verbrauch an wertvollem Wasser, das für die Lebensmittelerzeugung verwendet wird – und aufgrund der enormen Verschwendung von Lebensmitteln eben ein großer Teil davon völlig umsonst. Ein „Luxus“, den wir Menschen uns eigentlich nicht leisten können, denn die Vorräte an Süßwasser werden immer knapper. (Ein Artikel von Linnea Rauer.)

Direkter Wasserverbrauch bei uns Zuhause

Ein sorgsamer Umgang mit Wasser wurde mir von meinen Eltern schon früh nahegelegt. Auch seit ich in meiner WG in Köln wohne, versuche ich, wassersparend zu leben. Ich dusche nicht ewig, lasse beim Zähneputzen selbstverständlich nicht das Wasser laufen und sammle übriggebliebenes Wasser in einem Eimer, um damit meine Pflanzen zu gießen. So wie ich scheinen viele Menschen in Deutschland zu probieren, sorgsam mit ihrem Wasserverbrauch umzugehen und Wasser nicht zu verschwenden. Laut dem Umweltbundesamt ist die Trinkwassernutzung in Deutschland zwischen 1991 und 2014 von 144 Litern auf 121 Liter pro Person und Tag in Privathaushalten und Kleingewerbe gesunken. Um diesen Trend beizubehalten, gibt das Umweltbundesamt für den Privathaushalt viele Empfehlungen, die leicht im Alltag umzusetzen sind. Hier ein paar Beispiele:

  • ein bewusster Umgang mit Trinkwasser, insbesondere die sparsame Verwendung von warmem Wasser (weil für die Erhitzung Energie verwendet wird und dabei CO2 freigesetzt wird)
  • Spül- und Waschmaschinen sind nur voll beladen auch wirklich wassersparend
  • Abfälle wie Farbe oder unbenutzte Medizin dürfen nicht über das Waschbecken oder die Toilette entsorgt werden
  • Reinigungs- und Waschmittel sollten biologisch abbaubar sein

Das alles betrifft unseren direkten Wasserverbrauch zuhause, und diese Einsparungen sind wichtig – Wasser ist schließlich eine begrenzte Ressource: Nur 0,4% des Wassers weltweit ist für den Menschen nutzbares Süßwasser. Ein Großteil vom sonstigen Süßwasser ist unterirdisch oder gefroren, und ganze 97,6% des Wassers sind salzig und nicht zum Trinken, Waschen und Bewässern geeignet.

Indirekter Wasserverbrauch und der internationale Zusammenhang

Ist dann mit dem Wassersparen zuhause alles geregelt? Leider nicht. Süßwasser ist nicht nur begrenzt, es ist auf der Welt auch noch ungleich verteilt. In zahlreichen Regionen auf der Welt haben viele Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Besonders hoch ist dieser Anteil in Asien und Afrika. Was neben dem Wassersparen von direktem Wasser noch mitbedacht werden sollte, ist das sogenannte indirekte oder auch virtuelle Wasser. Dieses steckt zwar nicht mehr im Endprodukt drin, wird aber dennoch für die Produktion beispielsweise unseres Laptops, unserer Kleidung, des Druckerpapiers – oder unserer Lebensmittel – ge-braucht. Tatsächlich ist der größte Süßwasserverbrauch weltweit auf die Landwirtschaft zurückzuführen. Ganze 69% des verfügbaren Wassers werden für die den Anbau und die Bewässerung der Lebensmittel genutzt. (Mehr dazu.)

Virtuelles Wasser messen mit dem „Wasserfußabdruck“

Um zu messen, wie viel direktes und indirektes Wasser für ein Produkt oder eine Dienstleistung insgesamt anfällt, kann der sogenannte Wasserfußabdruck berechnet werden.

Das Süßwasser wird hier in drei Kategorien unterteilt: grünes, blaues und graues Wasser. Der „grüne“ Wasserfußabdruck beschreibt Regenwasser, welches vom Boden und den Pflanzen aufgenommen wird und dann wieder verdunstet. „Blaues“ Wasser ist entweder Grundwasser oder stammt aus Oberflächen wie Seen oder Flüssen. In der Landwirtschaft dient es zur Bewässerung der Pflanzen. Entscheidend ist, dass das blaue Wasser einem Ort entnommen und nicht dort, sondern an einer anderen Stelle, wieder zurückgeführt wird. Es wird also dem natürlichen Kreislauf entnommen. Der „graue“ Wasserfußabdruck meint die Menge an Frischwasser, die zu verunreinigtem Wasser (durch Düngemittel, Chemikalien o.ä.) als Verdünnung hinzugefügt werden muss. (Hier weitere Info.)

Auf einer interaktiven Karte auf waterfootprint.org können die Wasserfußabdrücke verschiedener Länder verglichen werden. Bezieht man auch das indirekte Wasser mit ein, hat Deutschland einen größeren Pro-Kopf-Wasserfußabdruck als der Rest der Welt durchschnittlich. Jede und jeder von uns verbraucht im Schnitt etwa 3.900 Liter indirektes Wasser pro Tag. Das liegt vor allem daran, dass wir so viele importierte Güter nutzen und konsumieren: Etwa 70 % des virtuellen Wassers hierzulande stammt aus anderen Ländern, dort insbesondere aus der Landwirtschaft.

In wasserarmen Ländern reicht das grüne Wasser auf keinen Fall aus, um die hohe Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten zu decken. Durch den Klimawandel werden zudem Wetter-Extreme wie Starkregen oder längere Dürreperioden häufiger, was die Bewässerung mit Regenwasser zusätzlich erschwert. Die Felder können sehr viel Regen auf einmal nicht gut aufnehmen. Daher muss mehr blaues Oberflächen- und Grundwasser zum Bewässern genutzt werden, welches dann an den ursprünglichen Orten und für die lokale Wasserversorgung fehlt. Zudem sinkt der Grundwasserspiegel und es läuft salziges Meerwasser nach, was das noch vorhandene süße Grundwasser versalzt (s.a. hier). Dieses muss dann mit grauem Wasser wieder aufbereitet werden. Ein weiterer Faktor ist, dass bei konventionellem Anbau Pestizide und Düngemittel eingesetzt werden, welche ins Grundwasser gelangen. So fällt mehr graues Wasser an, um dieses wieder zu säubern. Dazu kommt die Nitratbelastung durch Gülle, welche durch die Schweine- und Rinderhaltung ins Grundwasser gelangt.

Wenn wir in Deutschland wasserintensive Produkte importieren, tragen wir also zur Fortsetzung oder gar Verschlimmerung der Wasserarmut in anderen Ländern bei.

In Deutschland selbst gibt es laut dem Umweltbundesamt übrigens insgesamt noch genug Vorräte an blauem Wasser. Setzen sich die trockenen Sommer der vergangenen Jahre allerdings fort, kann es auch hier zu einer Knappheit kommen. Außerdem steht regional unterschiedlich viel Wasser zur Verfügung. Dazu kommt auch hier die Grundwasserbelastung durch Nitrat oder Chemikalien. Das macht deutlich, wie wichtig es ist, auch unseren direkten Wasserverbrauch zu schonen und das verfügbare Wasser möglichst effizient zu nutzen.

Auf waterfootprint.org können verschiedene Produkte im Hinblick auf das virtuelle Wasser, das für ihre Produktion weltweit im Durchschnitt benötigt wird, verglichen werden. Einen Gesamtüberblick bietet auch statista. Es wird auch angezeigt, wie viel von dem insgesamt gebrauchten Wasser grün, blau und grau ist. Hier ist allerdings zu beachten, dass es sich um den weltweiten Durchschnitt handelt. Oft werden Produkte in Regionen angebaut, die von der eigentlichen Beschaffenheit her gar nicht so gut passen. Zitrusfrüchte etwa, die eigentlich in den Tropen wachsen, brauchen in trockeneren Regionen wie Ägypten oder der Türkei deutlich mehr Wasser (s.a. hier).

Besonders viel Wasser wird beispielsweise für die Produktion von Kakao, Kaffee und Rindfleisch verwendet. Bei dem Fleisch liegt der hohe Wasserverbrauch vor allem am industriellen Tierfutter aus Soja, dessen Anbau besonders viel Wasser verlangt. Grundsätzlich sind Obst und Gemüse wasserärmer als tierische Produkte.

Auf der Internetseite von waterfootprint kann man außerdem seinen eigenen Wasserfußabdruck auf Basis seiner Ernährungs- und sonstigen Lebensweise berechnen lassen – das ist wirklich spannend und macht Spaß. Danach wird einem der Wasserverbrauch für verschiedene Lebensbereiche angezeigt und man sieht, wo man noch mehr Wasser einsparen könnte.

Wie können wir Verbraucher:innen unseren Wasserfußabdruck möglichst gering halten?

Zuerst einmal können wir, wie oben bereits erwähnt, auf den direkten Wasserverbrauch bei uns zuhause achten. Ein wichtiger Schritt ist, unser Konsumverhalten, besonders unsere Ernährungsweise, anzupassen. Wasserintensive Produkte und Lebensmittel, die importiert werden müssen, sollten wenig konsumiert werden. Das sind vor allem Fleisch- und Milchprodukte, aber auch wasserintensive haltbare Lebensmittel sowie einige Obst- und Gemüsesorten. Hier hilft es, möglichst saisonal und regional einzukaufen. Mit dem Kauf von Bio-Lebensmitteln lässt sich der Verbrauch von grauem Wasser als „Verdünnungsmittel“ einsparen. Zum Beispiel können regionale Haselnüsse eine Alternative zu Mandeln sein, „Dinkel wie Reis“ eine Alternative zu normalem Reis, oder Maisgries eine nette Abwechslung zu Quinoa. Durch das Ausprobieren von anderen Lebensmitteln kommt so gleich auch neuer Schwung in unsere Küche.

Das Ganze ist aber oft gar nicht so einfach, erst recht nicht, wenn neben dem Wasserverbrauch auch noch Aspekte wie Verpackung, CO2-Belastung durch Lagerung und Transport usw. mitbedacht werden sollen. Außerdem sind die Labels in den Supermärkten meist nicht gerade transparent. Mich ärgert häufig, dass Produkte, die eigentlich regional angebaut werden könnten, im Supermarkt trotzdem aus weit entfernten Ländern kommen. Das Problem liegt also keineswegs (allein) bei uns Verbraucher:innen, sondern betrifft unser ganzes Wirtschaftssystem. Daher sollten wir dennoch so gut es geht – also wie es unser finanzielles Budget, sowie unsere Zeit, Gesundheit und mentale Belastung erlauben – darauf achten, vor allem Produkte mit möglichst kleinem Wasserfußabdruck zu kaufen. Mit jedem Einkauf setzen wir ein Zeichen, jeder Kassenzettel kann als Stimmzettel gesehen werden. Ein Systemwandel muss auf mehreren Ebenen passieren und braucht den gemeinsamen Willen der Gesellschaft, etwas zu verändern! Auf unserem Blog findet ihr einen interessanten Artikel über spannende Ansätze, die Alternativen zu unserer jetzigen Wirtschaftsweise aufzeigen.

Die Lebensmittel, die es dann zu uns in die Küche schaffen, sollten wir wertschätzen – und die wasserreichen Produkte ganz besonders. Das gilt auch für die MHD-Waren und das Obst und Gemüse von The Good Food. Auch hier haben einige Produkte einen größeren Wasserfußabdruck als andere. Umso besser natürlich, dass unser Team sie Woche für Woche rettet und sie so nicht im Müll landen. Die Wertschätzung sollte dadurch aber nicht geringer werden, vielleicht sogar im Gegenteil.

Schon gekaufte Produkte, egal wo, sollten wir also auch verbrauchen, solange sie gut sind. Schmeißen wir unsere Tomaten oder die Nüsse weg, weil sie schimmelig oder ranzig geworden sind, kommt sozusagen auch das ganze dafür gebrauchte Wasser gleich mit in die Tonne. Ich freue mich zum Beispiel immer riesig, wenn es bei „The Good Food“ Avocados gibt, weil ich mir die normalerweise nicht kaufe. Freuen werde ich mich auch weiterhin, aber zusätzlich dazu mit daran denken, wie viel Wasser damit eigentlich im Zusammenhang steht – und die Avocados daher besonders genießen.

Ein weiterer Tipp ist, auch im Urlaub in anderen Ländern möglichst wassersparend zu leben. Beliebte Urlaubsorte sind oft Küstenregionen oder Inseln, wo ohnehin schon eher Wasserknappheit besteht. Vor Ort kann der direkte Wasserverbrauch durch Ernährung, Waschen und Baden beeinflusst werden. Auch die Art der Unterkunft macht einen Unterschied. Campingplätze oder kleine Pensionen verbrauchen i.d.R. weniger Wasser als große Hotels. (Mehr dazu hier.)

Last but not least: Die wichtigste Stellschraube, um Wasserverschwendung zu reduzieren, ist die Politik. Die Regierungen auf der Welt müssen bei der weltweiten begrenzten Ressource Wasser zusammenarbeiten und internationalen Handel damit planen. Bei den Wahlen hier in Deutschland können wir durch unsere Stimme mitentscheiden, welche Parteien dies tun können. Gerade die Bundestagswahl im September wird zukunftsweisend! Da lohnt es sich, die Parteiprogramme zu durchforsten und für die Partei zu stimmen, die sich unserer Meinung nach am besten gegen Probleme wie Lebensmittel- und Wasserverschwendung und für Kli-magerechtigkeit einsetzen möchte. So nehmen wir Einfluss und können einen Systemwandel anstoßen!

Autorin: Linnea Rauer

 

 

 

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