Ladendienst bei The Good Food auf der Venloer Straße 414

The Good Food, Venloer Str. 414

Sechs Tage in der Woche könnt ihr im The-Good-Food-Ladenlokal in der Venloer Straße 414 in Köln Lebensmittel kaufen, an sieben Tagen im Büdchen Casablanca in Sülz. Über 200 Stunden sind wir jede Woche in den Läden für euch da, darunter auch Teammitglied Alexandra. Hier beschreibt sie, wie ein Nachmittag in der Venloer so abläuft.

Es ist Freitagmittag, ich stelle mein Fahrrad vor dem Laden auf der Venloer Straße ab, ein paar Menschen warten vor dem Eingang. Während ich an ihnen vorbeigehe und die Tür öffne, grüße ich freundlich. Ich winke der Kollegin am Tresen, um deutlich zu machen, dass ich die Ablöse bin. Wir kennen uns noch nicht und stellen uns kurz vor. Ladendienst mache ich noch gar nicht so lange, deswegen sind die meisten Gesichter aus dem Team für mich noch neu. Ich bekomme eine kurze Übergabe:

Die Backwaren seien heute Morgen frisch gebracht worden, später sollen die Kolleg:innen von der Bauerntour kommen, neues Obst und Gemüse bringen. Ich freue mich, das habe ich bisher noch nicht miterlebt. Ich verschaffe mir einen Überblick darüber, was es aktuell an frischer Ware gibt, was oben ausliegt und im Keller lagert. Da die Kolleginnen in der ersten Schicht zu zweit waren, konnten sie die Lebensmittel bereits kontrollieren, Schlechtes aussortieren und übergeben mir den Laden ordentlich und aufgefüllt. Ein sehr angenehmer Start für mich, da ich die heutige Schicht alleine mache und es hektisch werden kann.

Rhabarber-Rezepte und Resteverwertung

Es ist gut was los an dem Nachmittag. Seit April dürfen wieder zwei Kund:innen gleichzeitig rein. Viele, die heute retten kommen, kennen The Good Food schon, ein paar erkenne ich sogar aus meinen bisherigen Ladendiensten. Eine Stammkundin freut sich, als sie den Rhabarber sieht: „Ach, toll, mit dem kann ich später backen!“ Gute Idee, denke ich und erzähle ihr von dem familienintern berühmten Rhabarber-Kuchen meines Schwagers. Generell entstehen im Laden häufig nette Gespräche über kreative Resteverwertung oder darüber, wie verrückt es ist, dass so viele noch genießbare Lebensmittel in der Tonne landen. „Gut, dass es euch gibt“, höre ich heute zwei Mal.

Einige Kund:innen sind zum ersten Mal da. Sie sind zufällig am Laden vorbeigelaufen und neugierig geworden. Ich erkläre ihnen kurz das Konzept und dass sie zahlen können, was der gerettete Einkauf ihnen wert ist. Das kann schon mal überfordernd sein. „Sobald man versteht, welche Arbeit dahintersteckt und ein paar Mal da war, bekommt man aber ein Gefühl dafür“, sage ich der jungen Frau, die mit ihrem ersten Korb geretteter Lebensmittel vor mir steht.

Bauerntour-Team mit starken Armen

Es sind etwa zwei Stunden vergangen, als ich einen Kleintransporter vor dem Laden halten sehe. Die Schiebetür wird geöffnet, zum Vorschein kommen stapelweise grüne Gemüsekisten. Die Bauerntour ist da! Während ich im Laden weitermache, nehme ich wahr, wie die Kolleg:innen vorbeirauschen und die Gemüsekisten in den Keller tragen. Tomaten, Paprika, Kartoffeln und und und. So viele tolle Sachen, frisch nachgeerntet. Das macht das Team dreimal die Woche.

Eine Kollegin bleibt mit einer Kiste Orangen in der Tür stehen, fragt mich, ob ich ein paar Sachen direkt im Laden haben möchte. Vor allem Obst und Gemüse, das bis zu dem Zeitpunkt noch nicht oben ausliegt, nehme ich in die Regale. Ich muss etwas umräumen, um Platz zu schaffen und alles ansprechend herzurichten. Die eingespielten Kolleg:innen der Bauerntour sind so fix unterwegs, dass ich im Laden kaum Ordnung geschafft habe, da sind sie schon fertig. Ich bin beeindruckt!

Bevor sie gehen, wird mir noch mitgeteilt, welche Lebensmittel bio sind und welche konventionell. Ich schreibe fleißig mit, damit ich das Obst und Gemüse später entsprechend mit Schildchen an den Regalen auszeichnen kann. Sowohl für die nächsten Ladendienstler als auch für die Kund:innen sind die Infos relevant.

Es gibt immer was zu tun

Sobald ich alleine im Laden bin, schnaufe ich kurz durch. Denn körperlich ist auch ein Ladendienst gar nicht so ohne. Da heute viel gerettet wird, muss ich die Regale häufig auffüllen und dafür die Treppe zum Keller hoch- und runterlaufen, mit kiloweise Lebensmitteln auf den Armen. Und auch sonst bin ich ständig in Bewegung, packe unsere beliebten Muffinköpfe ab, räume bei der MHD-Ware auf, schreibe Schilder neu, die nicht mehr gut lesbar sind, mache noch ein Foto für das Social-Media-Team.

Am späten Nachmittag werde ich von meiner Kollegin für die letzte Schicht abgelöst. Sie ist schon länger dabei, macht sich routiniert an die Arbeit, während ich schon mal die Kasse für die Übergabe zähle. Außerdem nutzen wir die Zeit, um die Backwaren-Vitrine sauber zu machen sowie Tür- und Kühlschrank-Griffe zu desinfizieren. Am Ende ihrer Schicht wird meine Ablöse alle Gemüsekisten in den Keller bringen und sich zusätzlich anderen abschließenden Aufgaben widmen, wie zum Beispiel sich um den Müll kümmern, den Boden fegen, Rollwagen und Schilder vor dem Laden reinholen und den Laden insgesamt so hinterlassen, dass ihn die nächste Frühschicht ordentlich vorfindet und wiederum mit ihren Aufgaben starten kann.

Bevor ich gehe, packe ich mir selbst noch etwas Gemüse und eine Hafermilch ein und wünsche meiner Kollegin eine gute Schicht. „Hoffentlich geht noch viel weg“, sage ich. Einerseits damit sie am Ende weniger tragen muss, andererseits damit so viele Lebensmittel wie möglich gerettet werden. Ich verlasse den Laden auf der Venloer Straße, schwinge meinen Rucksack über die Schulter und steige zufrieden auf mein Fahrrad. Es fühlt sich gut an, neben all den anderen engagierten Menschen im TGF-Team einen Teil dazu beizutragen, dass weniger Lebensmittel in der Tonne landen und wieder mehr wertgeschätzt werden.

Teammitglied AlexandraAutorin: Alexandra Ianakova

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